Historische Rosen

Officinalis

Was sind Historische Rosen

Rosen werden schon seit dem Altertum in Gärten kultiviert. Griechen und Römer brachten von ihren Feldzügen die wichtigen Kultursorten der Rosen, wie Damaszenerrosen, aus dem vorderen Orient mit nach Europa. Sie nutzten die stark duftenden Blüten zur Gewinnung von kostbarem Rosenöl und pflanzten die ersten Ziergärten an. Kreuzritter brachten die damals wohl wichtigste Kulturrose Westeuropas, die Apothekerrose, aus Kleinasien mit. So gelangte Rosa gallica Officinalis bis nach Paris und wurde im Vorort Provins großflächig zur Rosenölgewinnung angebaut. Natürlich fanden die wundervollen Rosen auch hier schnell in die Ziergärten der Adligen. Um 1816 entstand mit der Rose Rose du Roi die erste Züchtung durch geplante Kreuzung zweier Rosen. Der Bedarf an neuen Rosen mit neuen Farben und Formen wurde schon damals immer größer. Immer mehr Rosenzüchter in Frankreich befassten sich mit der gezielten Entwicklung neuer Rosensorten und so entstanden binnen weniger Jahrzehnte sehr viele Hybriden der alten europäischen Rosen. Viele dieser beliebten Rosen haben die Zeit in Gärten bis heute überdauert.

Fast alle alten Züchtungen brachten nur einen Blütenflor im Sommer hervor. Nur wenige Sorten der Herbstdamaszenerrosen hatten schon damals die Fähigkeit zur Nachblüte. Durch weltweite Exploration und Kolonialisierung gelangten die ersten chinesischen Rosen wie Old Blush und Slater’s Crimson China nach Frankreich. Diese Rosen hatten die besondere Fähigkeit bis in den Herbst hinein zu blühen. Kreuzungen chinesischer Rosen mit den alten europäischen Gartenrosen führten zu einer neuen Rosenklasse, den Teehybriden. Mit der Züchtung der ersten Teehybride La France im Jahre 1867 entstand so die erste moderne Rose. Alle früher entstandenen Rosen bezeichnet man heute als alte oder historische Rosen.

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Was macht Historische Rosen aus?

Was bringt Rosenliebhaber in aller Welt noch heute dazu historische Rosen im Garten zu sammeln und zu kultivieren? Es mag bis heute über 40.000 moderne, öfterblühende Sorten geben. Was macht die Historische Rose mit dem angeblichen Makel der kürzeren Blütezeit so interessant?

Unter den alten Rosen gibt es viele besondere Charaktere, die in Ihrer Art seit über hundert Jahren einzigartig sind. Die oft rätselhafte Herkunft der Rosen weckt Neugier und Interesse ihrer Geschichte. Historische Rosen bilden in den Wochen der Blütezeit unfassbar viele Blüten. Viele Triebe der Sträucher biegen sich bis zum Boden herunter, weil sie die üppige Blütenlast nicht mehr tragen können. Die romantischen Schalenblüten der Zentifolien, den Hundertblättrigen Rosen, sind prall gefüllt und blühen in herrlich zarten Pastelltönen von Weiß über Rosa bis Purpur und Violett. Sie duften oft so stark, dass der ganze Garten mit Rosenduft erfüllt wird und vorbeigehende Passanten zum Genießen einfach stehen bleiben müssen. Die würzig-herben oder süßen Düfte sind sehr komplex und werden noch heute von Parfumeuren favorisiert. Sie sind in allen bedeutenden Frauenparfums enthalten. Historische Rosen sind Emotionen pur!

Historische Rosen haben auch eine praktische Seite! Die mittelhohen bis großen Sträucher sind sehr stabil und überdauern ohne viel Pflege viele Jahrzehnte im Garten. Viele Sorten haben sogar Jahrhunderte überdauert. Ein Grund dafür ist die sehr gute Winterhärte der meisten Sorten. Die Fähigkeit sich über Wurzelausläufer in neues Terrain auszubreiten ist ebenfalls ein wichtiger Grund für ihre Langlebigkeit. Durch die Veredlung auf eine Wildrosenunterlage wird der Explorationsdrang alter Rosensorten für viele Jahre unterdrückt. Wildrosen und ihre nahen Hybriden sind Pioniergehölze und wachsen auf nahezu jedem Standort im Garten. Selbst halbschattige Lagen oder Nordseiten von Häusern sind für die meisten Sorten kein Problem. Die meisten ursprünglichen Sorten besitzen eine sehr gute Gesundheit und können gut ohne chemischen Pflanzenschutz auskommen. Sie sind pflegeleicht und besitzen hohen Gartenwert. Viele offene, bienenfreundliche Sorten sind ideal für den Naturgarten. Vögel lieben die dichtbuschigen alten Rosensorten zum Nestbau, als Futterquelle für ihre Jungen (Läuse) und zur Überwinterung (Hagebutten).

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Charaktere der Historischen Rosen

Alba-Rosen

Sie gehören zu den ältesten Gartenrosen und wurden schon zur Römerzeit kultiviert. Ihre Blüten sind weiß bis rosa und stehen in schönem Kontrast zum bläulich-grünen Laub. Sie blühen einmal im Jahr überreich mit großen, gut duftenden Blüten. Alba-Rosen bilden große Sträucher mit kräftigem, buschigem, meist aufrechtem bis leicht überhängendem Wuchs. Sie sind alle sehr winterhart und bestens für hohe Rosenhecken oder als Strukturpflanzen geeignet.

Suaveolens

Damaszener-Rosen

Die bekannteste aller Ölrosen entstand in Kleinasien und verströmt den süß-würzigen Duft des Orients. Sie sind schon seit der Antike begehrt und bis heute entsteht aus ihren Blüten das kostbarste Rosenöl. Ihre gefüllten Blüten erscheinen einmal im Jahr und zeigen Farben von Weiß, Rosa und leuchtendem Purpur. Die kräftigen Sträucher wachsen straff aufrecht und sind sehr gut winterhart. Damaszenerrosen können als Strukturpflanzen oder Hecken gepflanzt werden.

Trigintipetala

Portlandrosen

Herbstdamaszener-Rosen waren die ersten europäischen Rosen mit der Fähigkeit bis in den Herbst zu blühen. Ihre großen, gefüllten Blüten zeigen Farben von Zartrosa bis leuchtendem Karminrot und verströmen den süß-würzigen Duft der Damaszenerrose. Es sind meist kleine Strauchrosen mit buschigem Wuchs, die sich gut für kleine Gärten oder als Kübelrosen eignen. Zudem sind sie hitzetolerant und sehr winterhart.

Comte de Chambord

Gallica-Rosen

Die Urform der Gallica-Rosen, die Apothekerrose, wurde aus dem vorderen Orient eingeführt. Sie wurde zunächst zur Rosenölproduktion in Frankreich kultiviert, fand jedoch schnell in die Gärten der Adligen. Es entstand eine große Sortenvielfalt mit besonderen Blütenfarben von Zartrosa bis zu tiefem Kardinalsrot. Die mittelhohen Sträucher der Gallica-Rosen eignen sich vorzüglich als Gartenrose. Sie wachsen kompakt, sind stachelarm und duften herrlich.

Officinalis

Zentifolien

Ende des 16. Jahrhunderts entstanden in Holland Züchtungen mit unvergleichlich üppig gefüllten Blüten und süßem Rosenduft. Die Zentifolien sind typische Bauerngartenrosen. Ihre Sträucher wachsen aufrecht bis überhängend und eignen sich perfekt, um an Zäunen zu lehnen. Ihre Blütenfarben reichen von Weiß, Rosa, Purpur bis Violett.

Rose de Peintres

Moosrosen

Moosrosen entstanden durch spontane Mutationen verschiedener Zentifolien. Ihre Knospen und Triebe sind mit grün bis bräunlichen harzigen Drüsen besetzt, die wie Moos aussehen. Der süße Duft der Zentifolienblüte vermischt sich mit balsamisch harzig-würzigen Aromen der Bemoosung. Die meisten Sorten sind wie die Zentifolien einmalblühend. Einige wenige Sorten bringen einen zweiten Blütenflor. Die Farben der Moosrosen gehen von Weiß, Rosa und Purpur bis Dunkelviolett. Moosrosen wachsen zu großen, sehr winterharten Sträuchern heran.

Rosa muscosa

Chinarosen

Ende des 19. Jahrhunderts wurden aus China Rosensorten eigeführt, die die Fähigkeit besaßen bis in den Herbst zu blühen. Durch die Kreuzung von Chinarosen und alten europäischen Rosen entstanden moderne Gartenrosen wie Teehybriden und Polyantharosen. Sie besitzen kontrastreiche Farben, echtes Rot und interessante neue Duftnoten. Die Sträucher sind meist kompakt und nicht zu groß. Sie eignen sich besonders als Kübelrosen, die am besten frostfrei überwintert werden.

Gloire des Rosomanes

Noisetterosen

Die erste Noisetterose entstand zu Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Kreuzung von Rosa moschata mit einer Chinarose. Ihre Nachkommen sind starkwüchsige Kletterrosen mit langen Trieben. Die zarten Blüten erscheinen meist in Büscheln mit vielen kleinen bis mittelgroßen Blüten. Es gibt jedoch auch einige großblumige und sehr gut duftende Sorten. Die meisten Sorten benötigen guten Winterschutz.

Mme Alfred Carriere

Bourbonrosen

Die erste Bourbonrose entstand als Naturhybride aus Damaszener- und Chinarose. Viele der weiter entwickelten Bourbonrosen blühen mit kurzen Unterbrechungen von Juni bis zum Spätherbst. Den Höhepunkt ihrer Blüte erreichen sie im September. Ihre Blüten sind gefüllt, gleichmäßig gebaut und duften wunderbar. Die kräftigen Strauchrosen wachsen teilweise sehr langtriebig und eignen sich hervorragend dazu, als Kletterrosen aufgebunden zu werden. In kalten Gebieten benötigen einige Sorten guten Winterschutz.

Louise Odier