Gartengeschichten von Andreas Barlage

wir freuen uns, den Gartenbuch-Autor Andreas Barlage gewinnen zu können auf unseren Internet-Seiten einige Texte zu veröffentlichen. Sie sind anekdotenhaft in dem Stil verfasst wie die kurzweiligen Geschichten aus seinem Buch Ans Herz gewachsen das 2014 als Bestes Deutsches Gartenbuch, Kategorie Gartenprosa von einer unabhängigen Jury in Schloss Dennenlohe prämiert wurde. Exklusiv verfasst er für uns nun in loser Folge Beiträge die sich um Rosen drehen.

Namen begeistern – oder auch nicht

Es gibt viel, das ich an anderen Menschen sehr bewundere. Eine gewisse Planung und ein gezieltes Vorgehen gehört etwa zu den Eigenschaften, die ich selbst gern perfektioniert hätte, und ich staune nicht selten, wenn jemand einen klaren Plan entwickelt und diesen nach und nach abarbeitet. Meine eher chaotisch angelegte Natur ist dazu nicht in der Lage. Schon gar nicht im Garten, und schon ganz und gar nicht, wenn es darum geht, Rosen für Beete auszuwählen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich ziemlich begeisterungsfähig bin. Und Rosen haben da sehr leichtes Spiel. Aber sie fesseln mich nicht allein aufgrund einer schönen Blüte und vielleicht noch guten Gartentugenden – allen voran eine hohe Widerstandskraft des Laubes. Aber das sind sowieso die Voraussetzungen für eine Gartenpflanze.

Für mich ist eine Pflanze und erst recht eine Rose kein Dekogegenstand, der einfach nur funktionieren muss. Irgendwie soll sie einen Zauber mitbringen.

Zugegeben – bei meiner Suche nach Rosen machen mich schöne Rosennamen sehr schnell neugierig. Das ist vielleicht nicht professionell, aber immerhin habe ich bereits viele Volltreffer schon allein deswegen gelandet. Außerdem möchte ich gern angenehme Gedanken haben, wenn ich eine Rose im Garten betrachte. Ein sehr gutes Beispiel ist die vorzügliche Englische Rose Lady of Shalott, die nach einer Figur aus der erweiterten Artus-Sage benannt wurde. Ein Gemälde von John William Waterhouse, das diese Dame in einem Boot auf dem Fluss zeigt, ist mir seit Jugendtagen in Erinnerung; es hängt bei bei meiner lieben Freundin Alison (sie stammt auch aus England) seit ich sie kenne als Poster in der Wohnung.

Lady of Shalott

Und dass Jacques Cartier ein französischer Entdecker aus dem 16. Jahrhundert war und rein gar nichts mit dem berühmteren Juwelier zu tun hat, stört mich überhaupt nicht wenn ich mir die vorzügliche Preziosenrose gleichen Namens anschaue – funkelnd wie rosa schimmernde Karfunkelsteine über smaragdgrünem Laub.

Gelegentlich stöbere ich auch bei den Rosennamen, ob es auch andere Synonyme gibt. Es kommt gar nicht so selten vor, dass Züchter den einen Namen etwa für Deutschland verwenden, sich aber sorgen, ob dieser in angelsächsischen Ländern, Frankreich oder Südeuropa ebenso zugkräftig, sprich werbewirksam ist. Bei Novalis vermute ich etwa, dass dieser deutsche Dichter der Romantik beispielsweise in England nicht so bekannt ist – dort heißt die fliederfarbene Schönheit nämlich Poseidon … auch nicht schlecht.

Novalis

Manche Rosennamen laden zu irrtümlichen Gedankenverbindungen ein. So hatte ich als Patin für die weiße Annapurna eine Dame mit ungewöhnlichen Vornahmen in Verdacht bis ich heraus fand, dass es sich um einen Berg im Himalaya handelt. Und dass Broceliande ein Wald in der Bretagne ist, der in den Sagen um den Zauberer Merlin eine Rolle spielt, habe ich ebenfalls erst durch Nachforschungen erfahren.

Broceliande

Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele. Legendär ist die rote Beetrose Atombombe aus den 50er Jahren – sie ist glücklicherweise längst nicht mehr auf dem Markt … wer wollte schon Angst und Schrecken im Rosenbeet verbreiten?

Seit der Einführung der Aspirin-Rose hadere ich auch mit deren Namen. Sie wurde als Werbemittel für den Bayer Konzern so getauft. Abgesehen von der kommerziellen Seite der Namensverleihung, die ich an sich dem Züchter nicht verdenken kann, möchte ich im Garten nicht an Kopfschmerztabletten oder ein Pharma-Unternehmen erinnert werden – obwohl die Sorte an sich wirklich bezaubernde Blüten bildet und obendrein gesundes Laub hat … ach, hätte sie nur einen Paten oder eine Patin mit klangvollerem Namen … aber auch das ist knifflig, denn eine mögliche (gottseidank noch nicht existierende) Veronica-Ferres- oder Till-Schweiger-Rose käme mir ebenfalls niemals ins Beet … wie wird das nur werden, wenn eine Rosenschule von dem Vertreiber der blauen Pillen für die Manneskraft auf den Gedanken gebracht wird, ihr den Namen Viagra zu geben … holla …

Da pflanze ich doch lieber Erotika und verzeihe ihr ihre gelegentlichen Schwächen, denn wenn sie ungünstig steht, kann sie von Pilzen befallen werden. Naja, es gibt ja noch Vitanal dann passt das schon …

nach oben